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Foto: www.moniquewittwer.ch

Nicole Dill

Nicole Dill führte ein erfolgreiches, geordnetes und friedliches Leben. Freunde, Hobbys und eine gute berufliche Position machten sie zu einer selbstbewussten Frau, die einer strahlenden Zukunft entgegenblickte. Doch dann geschah, was ihr Leben für immer verändern sollte. 2006 lernte die damals 37-Jährige ihren neuen Partner kennen. Am Anfang war manches positiv, doch innerhalb von zehn Monaten verhielt sich der Mann zunehmend kontrollierend, eifersüchtig und stalkend. In der Vorahnung, dass die bevorstehende Trennung für ihren Partner schwierig sein könnte, griff Nicole Dill zum Telefon und informierte den Hausarzt ihres Partners über ihr Vorhaben. Dieser befürchtete, was geschehen könnte, und informierte die Polizei über die bevorstehende Trennung. Ein Polizist meldete sich bei ihr, doch die rettende Information, die dem Beamten bekannt war – der Mann hatte bereits einmal eine Frau vergewaltigt und umgebracht – erhielt sie nicht. Sie wähnte sich in falscher Sicherheit und gab ihrem Partner ohne Schutz oder Begleitung das Ende der Beziehung bekannt. Den anschließenden unvorstellbaren Angriff überlebte sie nur knapp. Stundenlange Folter, Vergewaltigung und das Niederschießen mit einer Armbrust hatten zusammen mit der lang dauernden Todesangst verheerende Konsequenzen. Zwei Reha-Aufenthalte und die Rückkehr in ein Leben, das diesen Namen verdient, gestalteten sich als große Herausforderung.

Ein heutiges stabiles Familienleben, zu dem ihr Mann und ihr Sohn gehören, neue Perspektiven und die genaue Auseinandersetzung mit dem Verbrechen unterstützen den jahrelangen Genesungsprozess. Kraft und Mut fand Nicole Dill in der Überzeugung, dass das Verbrechen an ihr einen ”höheren” Sinn haben muss. Früh engagierte sie sich dafür, dass der Täterschutz nicht über dem Opferschutz stehen darf, und verband dieses Anliegen mit Forderungen. Gleichzeitig führte sie einen jahrelangen Kampf, um zu ihrem Recht zu gelangen und aufzuzeigen, was in der Schweiz falsch läuft. Vergeblich. Doch 2025 obsiegte Nicole Dill mit ihrem Anwalt Atilay Ileri vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg.

Sie lebt mit ihrer Familie im Kanton Luzern und führt die Anlaufstelle für Gewaltopfer ”Sprungtuch”.

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